Kurz nach den Anschlägen im indischen Mumbai Ende November 2008 wurde am 3. Dezember 2008 die Frage um Pakistan, die aktuelle Situation nach den Wahlen, in der Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin heiß diskutiert. Die Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V. und die Heinrich-Böll-Stiftung hatten prominente Gäste dazu geladen, die aus erster Hand dazu berichteten und mitdiskutieren konnten.
Als Podiumsredner geladen waren:
- Tahmina Daultana, Parlamentsabgeordnete der Pakistan Muslim League-N
- Ute Koczy (MdB) Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bündnis 90/Die Grünen
- Susanne Koelbl, Autorin und Auslandskorrespondentin DER SPIEGEL
- Jürgen Klimke (MdB) Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, CDU/CSU
- Moderation: Shahid Riaz, Vorsitzender Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V.

Frau Daultana rief das Publikum auf, auch Pakistan als Opfer zu sehen, mit einfachen Menschen, die ohne Krieg in stabilen Verhältnissen leben wollen. Bisher hat Pakistan unter dem militärischen Druck der Vereinigten Staaten gelitten. Die bisher erreichte Demokratie ist noch nicht gefestigt und braucht die Unterstützung der weltweiten Staatengemeinschaft.
Beide Bundestagsabgeordnete kamen gerade von einer Reise aus Pakistan zurück und konnten ihre persönlichen Eindrücke schildern. Insbesondere die Situation der Flüchtlingscamps an der afghanischen Grenze haben beide erschüttert.

Frau Koelbl war viele Jahre in Pakistan und Afghanistan vor Ort unterwegs. Sie hatte mit einer scharfen und präzisen Analyse die Probleme Pakistans auf den Punkt gebracht. Ist Pakistan wirklich das gefährlichste Land der Welt? Seit dem von der Sowjetunion geführten Afghanistankrieg hat sich die Gesellschaft in Pakistan radikalisiert und es entstanden die heutigen Probleme im Land, so zum Beispiel die starke Stellung des pakistanischen Militärs in den öffentlichen Ämtern, in den Unternehmen und beim Landbesitz. Als Atommacht und Frontstaat in der Terrorbekämpfung bekommt Pakistan bei instabilen Verhältnissen nahezu unendliche Aufmerksamkeit aus dem Ausland. Trotz aller Bemühungen sieht Frau Koelbl Pakistan nach den Wahlen noch nicht so gefestigt, dass die aktuellen Probleme im Land gemeistert werden können.
Shahid Riaz begrüßte die ca. 200 Gäste im Saal, unter denen auch Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Stiftung Wissenschaft und Politik zu finden waren. Auch von den Botschaften Indonesiens, Thailands, Myanmars und Pakistans nahmen Vertreter teil. Herr Riaz sieht besonders in der zahlreichen jungen Generation, die mit privatem Satellitenfernsehen, Mobiltelefonen und Internet aufgewachsen ist, große Chancen, mit neuer demokratischer Gestaltungskraft, zum Teil nach westlichem Vorbild, Pakistan voranzubringen und zu stabilisieren. Herr Riaz versprach uns, dass wir in 10 Jahren in Pakistan eine stabile Demokratie sehen werden.

Kurz vor Ende des Seminars überreichten Shahid Riaz und Mitglieder der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft traditionelle Schals, so genannte “Sindhi Ajraks”, an die Podiumsredner als ein Zeichen der pakistanischen Kultur und als Symbol der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V. Zu guter Letzt konnten sich die Gäste am pakistanischen Buffet bedienen. Das gemeinsame Essen wurde sowohl von den deutschen als auch von den pakistanischen Besuchern genutzt, um ins Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen.
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