Pakistan am Scheideweg: Moderne Demokratie oder radikal-islamischer Staat?


Über dieses brennende Thema wird immer stärker in den Medien und in der Bevölkerung diskutiert. So war es ein Höhepunkt für unsere Vereinsarbeit dieses Jahr ein Seminar zu diesem Thema am 16. August 2007 in der Kiezspinne in Berlin – Lichtenberg zu veranstalten.

Die Gäste wurden vom Vorsitzenden der Kiezspinne e.V., Manfred Becker, im großen Saal begrüßt. Besondere Erwartungen wurden an die mit dem Thema fachlich sehr vertrauten Referenten gerichtet. Erik Gührs stellte die Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie den ca. 70 Gästen in deutscher und englischer Sprache ausführlich vor.

Auf dem Podium hatten als Referenten
  • Martina Doering, Berliner Zeitung, Außenpolitik
  • Ruth Ciesinger, Der Tagesspiegel, Redakteurin Politik
  • Thomas Ruttig, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit
Podium mit Referenten Martina Doering, Ruth Ciesinger, Thomas Ruttig und Shahid Riaz als Moderator

Platz genommen. Unser Vorsitzende der DPG, Herr Riaz, spannte bei seiner Moderation den Bogen vom Vorstellen der Gäste über die Würdigung des 60. Jahrestages der Republik Pakistan, zu interessanten Artikeln im Tagesspiegel und in der Berliner Zeitung bis hin zu den aktuellen Ereignissen in der pakistanischen Hauptstadt in diesem Jahr.

Die einzelnen Referenten stellten ihre unterschiedlichen Sichtweisen und Meinungen dazu vor. So unterstrich z.B. Frau Doering ihre Auffassung, dass Pakistan muslimisch ist, sich aber nicht in den Händen von Extremisten befindet und dass Wahlen in diesem Land nicht alle Probleme löst. Sie betonte, dass die pakistanische Regierung jetzt der Herausforderung nachgeht, bisher vernachlässigte Regionen des Landes besser zu entwickeln als bisher. Die deutschen Medien werden dabei der kulturellen Entwicklung des Landes nicht gerecht. Das Land wird viel zu häufig im Konflikt mit Afghanistan gesehen, es gibt nicht einen Korrespondenten direkt vor Ort.

Herr Ruttig gab einen historischen Abriss über die Entwicklung der extremistischen Kämpfer im Grenzgebiet zu Afghanistan der letzten hundert Jahre. Frau Ciesinger ging ausführlich auf die enorme oppositionelle Bürgerbewegung ein, die durch das Absetzen des Obersten Richters im Frühjahr dieses Jahres im Lande erstarkte. Die Belagerung der Roten Moschee hatte sehr viel Unruhe hervorgerufen und löst weiterhin Racheakte aus.

Gäste in der Kiezspinne e.V.

In der anschließenden lebhaften Diskussion mit den Gästen wurden Fragen zur Atomstreitmacht Pakistan gestellt. Das pakistanische Militär ist nach wie vor die stärkste Institution im Land. Bis zu diesem Jahr konnten sich die privaten Medien entwickeln, die Pressefreiheit wurde damit gestärkt. Die Frage nach einem neuen demokratischen System stellt sich nur, wenn der jetzige Präsident die geplanten Wahlen auch zulässt. Schwierig ist auch zum jetzigen Zeitpunkt einzuschätzen, welche Wahlergebnisse von den westlichen Ländern akzeptiert werden würden. Da die Bildungschancen der Menschen im Lande sehr unterschiedlich sind, kann sich Demokratie nicht so leicht in der Bevölkerungsmehrheit durchsetzen. Strittig bleibt die Rolle der USA bei der Unterstützung von Pakistan. Der Einsatz der deutschen Truppen in Afghanistan hat für Pakistan eine stabilisierende Rolle, da der Konflikt mit Indien noch nicht ausgeräumt ist.

Frauen sind insbesondere im Bildungsbereich aktiv und setzen sich insgesamt im täglichen Leben immer besser durch. Mit der Staatsgründung gab es viel Leid im Land, weil die Menschen nicht in ihrem angestammten Gebiet leben konnten.

Alle Redner sprachen sich für Demokratie in Pakistan aus. Demokratie lässt sich jedoch nicht importieren. Sie muss aus dem Land heraus wachsen und wird auch durch die bevorstehenden Wahlen in Pakistan nicht so schnell erreichbar sein.

Für den abwechslungsreichen Tagungsablauf sorgten nicht nur die interessanten Beiträge der Referenten, sondern auch die fachliche Moderation von Herrn Riaz und seine direkten Übersetzungen ins Englische und insbesondere in die pakistanische Landessprache Urdu. In gemütlicher Runde am Buffet wurden die Diskussionen fortgesetzt und der Gedankenaustausch fortgesetzt.



Bildergalerie zum Seminar am 16.08.2007

 

 
(C) 2007 Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V.

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