Es ist nun fast zu einer Tradition geworden, dass die Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V. (DPG) jährlich einen pakistanischen Kulturabend feiert. Dieses Mal richtete sich der Fokus der Veranstaltung auf die jüngsten Demokratiebewegungen in Pakistan. Aus diesem Anlass waren pakistanische Oppositionspolitiker eingeladen, um am Programm des Kulturabends teilzunehmen. Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit am diesjährigen Kulturabend war besonders hoch, hatte doch Präsident Musharraf kurz zuvor am 3. November 2007 den Ausnahmezustand in Pakistan ausgerufen und damit ein gewaltiges Medienecho hervorgerufen.

Der “Deutsch-Pakistanische Kulturabend für ein demokratisches Pakistan“ fand in der Kiezspinne, einem soziokulturellen Nachbarschaftszentrum in Berlin-Lichtenberg, statt. Der Saal war in Anlehnung an die pakistanischen Nationalfarben mit weißen und grünen Luftballons geschmückt; die auf der Bühne aufgestellte deutsche und pakistanische Fahne symbolisierten das Motto unseres Vereins, neue Impulse für die deutsch-pakistanischen Beziehungen zu geben. Herrn Yousaf Raza Gilani, Senior-Vizepräsident der Pakistan Peoples Party (PPP) und Herrn Mumtaz Ahmed Tarar, Vorsitzender des Menschenrechtsrates von Pakistan, war es im Zuge des Ausnahmezustands verwehrt worden, Pakistan zu verlassen, um am Kulturabend in Deutschland als Ehrengäste teilzunehmen.
Shahid Riaz, Vorsitzender der DPG, begrüßte zusammen mit Erik Gührs, stellvertretender Vorsitzender der DPG, die Gäste am Eingang der Kiezspinne. Anschließend betrat Moderatorin Canan Korucu die Bühne und begann damit, die zahlreich erschienenen Gäste auf unterhaltsame Weise durch das Programm zu führen. Shahid Riaz hieß die Gäste auch offiziell willkommen und gab daraufhin eine kurze Einführung in die Arbeit und Ziele der DPG. Er wurde nicht müde zu betonen, dass die DPG an ihrem Ziel, das gegenseitige Verständnis beider Länder zu erhöhen, weiterarbeiten werde und gleichzeitig nicht aufhören werde, die Demokratiebewegung in Pakistan zu unterstützen.

Es folgte die Vorführung traditioneller pakistanischer Tänze durch drei junge, talentierte Künstlerinnen. Sie präsentierten drei verschiedene Tänze, zu jedem Tanz wurden die Kostüme gewechselt und andere Musik untermalte ihre Performance. Weiter im Programm ging es mit der Modeshow, bei der die neueste pakistanische Damenmode gezeigt wurde; eine Premiere, denn nie zuvor wurde pakistanische Mode in Berlin vorgeführt. Fünf junge Damen kamen eine nach der anderen zur Musik von Nusrat Fateh Ali Khan die große Treppe zur Bühne herunter und begeisterten das Publikum mit den farbenfrohen Shalwar Kameez. Eine interessante Diashow rundete das Rahmenprogramm ab; es wurden Bilder vom traditionellen und modernen Leben in Pakistan, von Straßen, Märkten, historischen Gebäuden, Schulen, Dörfern und Städten gezeigt. Besonders die vielen deutschen Gäste bekamen auf diese Weise einen authentischen Eindruck von Pakistan.
Höhepunkt des Programms war die Live-Schaltung per Telefon nach Pakistan zum Oppositionsführer und bekannten Ex-Cricketspieler Imran Khan. Imran Khan sagte: „Es ist das erste Mal in der Geschichte Pakistans, dass die Richter “NEIN” zu einem Militärdiktator gesagt haben und deshalb ist es nun die Pflicht der ganzen pakistanischen Bevölkerung, die Richter in diesem kritischen Moment nicht allein zu lassen. Unser Kampf für die Demokratie wird so lange weitergehen bis die gefeuerten Richter wieder frei sind und in ihre Ämter zurückkehren können.“ Shahid Riaz versicherte Herrn Imran Khan, dass wir alle gemeinsam jede Demokratiebewegung in Pakistan unterstützen werden. Das Publikum reagierte auf diese Aussage mit einem lauten Applaus.
Ein Mitglied der DPG, verlas auf berührende Art eine beeindruckende Grußbotschaft von Herrn Mumtaz Ahmed Tarar. Frau Christel Riemann-Hanewinckel, Mitglied des Deutschen Bundestags und Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sagte: „Es wäre in Deutschland undenkbar, dass der Regierungschef den Obersten Richter des Landes unter Hausarrest stellt. Für November war von mir ein Besuch Pakistans mit einer Delegation von Parlamentariern geplant, aber wir haben diese Reise in Solidarität mit den demokratischen Kräften in Pakistan abgesagt.“ Die Bürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg, Frau Christina Emmrich, betonte: „Ich mag die pakistanische Kultur sehr und ich möchte hiermit meine Unterstützung für die Demokratiebewegung in Pakistan ausdrücken.“ Frau Gesine Lötzsch, Mitglied des Deutschen Bundestags und Frau Karin Seidel-Kalmutzki, Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, zählten zu den weiteren Ehrengästen des Kulturabends.
Kurz vor Ende des reichhaltigen Programms überreichten Shahid Riaz, Herr Andreas Geisel, stellvertretender Bürgermeister von Berlin-Lichtenberg und Mitglieder der DPG traditionelle Schals, so genannte “Sindhi Ajraks”, an die Ehrengäste und freiwilligen Teilnehmer der Modeshow als ein Zeichen der pakistanischen Kultur und als Symbol der DPG.
Zu guter Letzt konnten sich die Gäste am leckeren pakistanischen Buffet bedienen. Das gemeinsame Essen wurde sowohl von den deutschen als auch von den pakistanischen Besuchern genutzt, um ins Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen.