Podiumsdiskussion: "The East Asian Diaspora in Germany and Europe"
Im Rahmen des einwöchigen Programms Cultural Diplomacy in East Asia: A Forum for Young Leaders des Institute for Cultural Diplomacy (ICD) wurde am 7. Oktober 2009 in Berlin das Thema "The East Asian Diaspora in Germany and Europe" behandelt. Das Institute for Cultural Diplomacy hatte vier Experten zur Podiumsdiskussion eingeladen, die aus erster Hand dazu berichteten und mitdiskutieren konnten. Zu den Podiumsrednern gehörte auch der Vorsitzende der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft Shahid Riaz, der näher auf die pakistanische Diaspora in Europa und Deutschland einging. Diskutiert wurden insbesondere Integrationsfragen, das Problem der Identitätsfindung der Migranten und die Folgen von Brain Drain für die asiatischen Länder.
Als Podiumsredner geladen waren:
- Shahid Riaz, Vorsitzender, Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V.
- Dr. Riem Spielhaus, Islamwissenschaftlerin, Humboldt-Universität zu Berlin
- Dagmar Yu-Dembski, geschäftsführende Direktorin, Konfuzius-Institut
- Lizza May David, Künstlerin und Regisseurin, Global Aliens

Einleitend gab Shahid Riaz einen historischen Abriss über die Migration von Pakistanern nach Deutschland und Europa und erläuterte die Struktur der pakistanischen Diaspora in Berlin. Muslime hätten mehr Schwierigkeiten bei der Integration in die deutsche Gesellschaft als Migranten anderer Religionsgruppen, denn für viele Muslime spiele die Religion eine zentrale Rolle im Leben, dadurch sind sie sehr mit ihrer eigenen Community verbunden. Das Problem liege aber auch darin, dass viele Deutsche nur wenig über den Islam und die muslimische Alltagskultur wissen und sich seit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor den Muslimen fürchten. Zum Beispiel haben die meisten Deutschen noch nie eine Moschee von innen gesehen.
Dennoch gibt sich Shahid Riaz optimistisch über die Zukunft der asiatischen Diaspora in Europa, denn wenn man 20 oder 30 Jahre zurückblickt, stelle man schnell fest, dass die Gastarbeiter aus Griechenland, Spanien, Portugal und Italien vor ähnlichen Integrationsproblemen standen. Heutzutage spreche aber niemand mehr über sie, weil eben diese Länder Mitgliedsstaaten der EU wurden und schrittweise ihre Wirtschaft wuchs. Daher prognostiziert Shahid Riaz, dass sich parallel zum wirtschaftlichen Fortschritt der asiatischen Länder, die Integration der asiatischen Einwanderer in Deutschland und Europa verbessern wird.

Abschließend erklärte Shahid Riaz, dass Migranten neben der kulturellen Identität auch eine wirtschaftliche Identität besitzen. Zum Beispiel werde ein Migrant aus Malawi hier anders behandelt als ein Einwanderer aus der USA trotz gleichem Aussehens, gleicher Religion oder gleichem Bildungsstand. Auch werde ein Migrant, der als einfache Arbeitskraft in einem Restaurant arbeitet, anders angesehen als ein Migrant, der als Investor oder populärer Schauspieler nach Deutschland oder Europa gekommen ist. Die deutschen Gesetze haben sich im Laufe der letzten Jahre zu Gunsten der Einwanderer entwickelt, darum bestehe die Hoffnung, dass die Situation der Migranten in Deutschland eher besser als schlechter werden wird. Andererseits solle man sich vor Augen halten, dass es in absehbarer Zeit keinen Idealzustand für Einwanderer in der EU geben wird.
In der anschließenden lebhaften Diskussion mit den Seminarteilnehmern wurden Fragen zur Identitätsfindung, Integration und dem Verhältnis der asiatischen Migranten untereinander gestellt.

Cultural Diplomacy in East Asia: A Forum For Young Leaders ist ein einwöchiges Programm, das junge potenzielle Führungskräfte aus Europa und Asien zusammenbringt, um sie mit dem Arbeitsfeld der kulturellen Diplomatie vertraut zu machen und sie in ein professionelles Netzwerk zum Austausch und zur Umsetzung von kreativen Ideen und kulturellen Initiativen einzuführen. In Seminaren, Podiumsdiskussionen mit internationalen Schlüsselfiguren für die kulturelle Diplomatie und bei sozialen und kulturellen Aktivitäten an Berlins politisch und historisch bedeutsamen Orten werden die Teilnehmer im Laufe des Programms eine breite Basis erlangen, um eigene kulturelle Initiativen in ihren Gemeinden und Ländern organisieren und aufrechterhalten zu können.
Das Institute for Cultural Diplomacy (ICD) ist eine internationale gemeinnützige Nichtregierungsorganisation (NGO), die im Feld der theoretischen und praktischen kulturellen Diplomatie tätig ist. Das ICD wurde 1999 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Die Tätigkeitsbereiche des ICD umfassen Forschungsarbeit zur Geschichte, gegenwärtigen Lage und zu künftigen Entwicklungen der kulturellen Diplomatie und die Entwicklung von Programmen für sogenannte "Young Leaders", die für die heutigen Möglichkeiten kultureller Diplomatie sensibilisiert und in ihren eigenen Initiativen in diesem Feld gefördert werden sollen. |