Einsatz in Afghanistan und die Auswirkungen auf die Nachbarländer

Die Podiumsdiskussion "Einsatz in Afghanistan und die Auswirkungen auf die Nachbarländer" fand im Rahmen der vom Institute for Cultural Diplomacy organisierten Konferenz "Kulturbrücken in Deutschland" statt, mit dem Ziel in Deutschland nachhaltige Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen innerhalb der Gesellschaft zu bauen als auch Deutschlands Position in der globalen Staatengemeinschaft zu analysieren. Dazu zählt als aktuelle außenpolitische und strategische Frage, der derzeit noch laufende Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Die Diskussion begann mit einer kurzen Vorstellung der Sprecher, zu denen neben dem Geschäftsführer der Afghanischen Botschaft, S.E. Herr Abed Nadjib und dem FDP-Fachreferenten für Außenpolitik, Herr Ulrich Finkenbusch, auch Herr Shahid Riaz als Vertreter der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft e.V, geladen waren. Gäste der Veranstaltung waren neben den Teilnehmern des Seminars „Kulturbrücken“ auch Zuhörer aus Berlin, die sich eine interessante Diskussion zu diesem kontroversen Thema erhofften. In einer zweistündigen Diskussion wurden sowohl Gründe für den Einsatz, als auch Fehler und Problematiken auf den Seiten aller betroffener Länder analysiert.

Erst nach dem 11. September 2001 war Afghanistan in den Blick der Medien der ganzen Welt gerückt. Nach den Anschlägen der erste Einsatz der USA, unterstützt auch von vielen europäischen Ländern mit dem Ziel der "Terrorbekämpfung und Stabilitätssicherung", dessen bisherige Erfolge jedoch umstritten sind. Der afghanische Gesandte nannte positive Veränderungen wie zum Beispiel Fortschritte im Aufbau eines Rechtssystems, Verwaltungsstruktur und Schulwesen, war sich allerdings bewusst, dass es zur Zeit noch offen ist, inwiefern diese Verbesserungen in Zukunft ausgebaut werden können, insbesondere in Anbetracht des Rückzuges vieler Truppen. Dass Frieden in Afghanistan notwendig ist, um auch langfristig mehr Stabilität in Pakistan zu schaffen wurde jedoch von allen Teilnehmern insbesondere hervorgehoben.

Die Podiumsdiskussion endete mit einer offenen Fragerunde und in Anbetracht der aktuellen Situation Pakistans, mit Shahid Riaz‘ Appell die pakistanische Bevölkerung in der seit Wochen andauernden Überschwemmungen mit Spenden zu unterstützen, um sowohl der rapide steigenden Armut der Menschen, die alles verloren haben, als auch dem Einfluss islamistischer Organisationen, entgegenzuwirken.

Interview mit Shahid Riaz im Anschluss an die Podiumsdiskussion

(geführt von Katharina Lisa Müller, ICD)

Q1:

Die Taliban versuchen aus der Monsunflut in Pakistan Profit zu schlagen, indem sie die Regierung drängen, auf amerikanische Hilfen zu verzichten und als Gegenzug Hilfen in Höhe von 20 Millionen USD bieten. Gleichzeitig wird Zardari Gleichgültigkeit gegenüber der Katastrophe vorgeworfen. Wie kann der zunehmende Einfluss der Taliban in Pakistan verhindert werden?

Die einzige Möglichkeit ist, den Taliban nicht freie Bahn zu lassen, so dass sie es sind die den Menschen helfen, sondern dass man versucht NGOs und Regierungen dazu zu bringen, den Flutopfern in Pakistan zu helfen, damit die Taliban nicht alleine als Helfer dastehen.

Q2:

Den westlichen Staaten wird häufig fehlendes Verständnis für die afghanischen kulturellen Besonderheiten vorgeworfen. Pakistans Kultur hingegen ist stark von der afghanischen geprägt, dies bezieht sich nicht nur auf eine gemeinsame Religion. Wie kann man sich die Ähnlichkeiten zu Nutze machen? Wie kann Pakistan gerade diese Parallelen einsetzen?

In Pakistan und Afghanistan, besonders im Grenzgebiet, gibt es viele Paschtunen. Darüber hinaus haben beide Länder das gleiche Problem, denn so lange es keinen Frieden in Afghanistan gibt, gibt es auch keinen in Pakistan und auch andersherum. Debei können die gleichen kulturellen Wurzeln helfen, Pakistan hat ein großes Interesse daran, dass es Afghanistan gut geht.

Q3:

Pakistan ist wichtigster regionaler Verbündeter im Krieg gegen terroristische Organisationen, aus den kürzlich auf wikileaks veröffentlichten, recht zweifelhalften, Dokumente geht hervor, dass das ISI (Directorate for Inter-Services Intelligence) jedoch auch die Taliban unterstütz. Besonders belastet wird der ehemalige Geheimdienstchef Hamid Gul, der ein wichtiger aktiver Unterstützer der Taliban zu sein scheint. Wie glaubwürdig sind diese Dokumente überhaupt?

Hamid Gul ist nicht unumstritten. Über die Glaubwürdigkeit der wikileaks kann ich keine umfassendes Urteil fällen. Es kann sein, dass Pakistan wie auch die USA Unterstützung im Kampf gegen die Sowjetunion gegeben hat. Aber zu behaupten, Pakistan unterstütze heute die Taliban, ist höchst zweifelhaft.

Q4:

Afghanistan, die Taliban, das Grenzgebiet - Was hat sich dort in den vergangenen Jahren im Kampf gegen den Terror auch in Verbindung mit der amerikanischen Intervention zum Positiven verändert?

Die positiven Entwicklungen sind schwer zu sehen, so lange immer noch Bomben explodieren. Aber man kann sehen, dass es langfristige Erfolge gibt. Wenn die internationale Gemeinschaft und die pakistanische Regierung zusammen halten, und nicht nur mit militärischen Mitteln arbeiten, werden Erfolge zu sehen sein.

Eindrücke vom Seminar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
(C) 2007 Deutsch-Pakistanische Gemeinschaft für Kultur und Demokratie e.V.

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